Bodenpraktiker - Eine Weiterbildung mit Zukunft

Den Boden verstehen

Die Bodenpraktiker-Kurse sollen Landwirte zum Nachdenken und zum Beobachten anregen.

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Ziel der Ausbildung zum Bodenpraktiker ist es nicht, eine reine Seminarreihe anzubieten, sondern die Teilnehmer mit Basisinformationen zu versorgen und ihnen Instrumente in die Hand zu geben, durch die sie selber den Zustand ihres Bodens erkennen und überprüfen lernen. Es handelt sich nicht um eine Beratung, sondern um die Anleitung zur Selbstermächtigung – ganz im Sokratischen Sinne: Landwirte zum Nachdenken, Beobachten und zur Erkenntnis zu verführen. 

Mit den Kursen soll ein bäuerlicher Zugang zum Boden gefunden werden, bei dem geprüft wird, ob der Boden gut funktioniert, ob er seine Aufgaben gut erfüllt. Mittels Bodenbewertung wird gelernt, wie wichtige Funktionen des Bodens – die Lebensraumfunktion oder die Speicherfunktion für Wasser und Nährstoffe – erkannt werden. 

So wird zum Beispiel geprüft, ob die maximal mögliche Durchwurzelungstiefe von den Kulturpflanzen erreicht wird, oder ob Bodenschichten ungenutzt bleiben und dadurch Unkräuter gefördert werden.

Im Bodenpraktikerkurs lernen die Teilnehmer die selbstständige Durchführung des Nitrattests, so können Landwirte jederzeit und kostengünstig die aktuelle Verfügbarkeit von Nitrat-Stickstoff am Feld messen. In der Gruppe werden dann die Ergebnisse diskutiert, um daraus die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen, beispielsweise wann Leguminosen möglichst effizient und wirkungsvoll in der Fruchtfolge angebaut werden können.

Ein weiteres Beispiel ist die Fingerprobe, durch die die Bodenart bestimmt wird. Dadurch erkennt man die besonderen Eigenschaften und Bedürfnisse des Bodens, sodass bei der Bewirtschaftung besser darauf eingegangen werden kann. Es ist dadurch auch möglich, Rückschlüsse auf die Erosionsanfälligkeit des Bodens zu ziehen.

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Dr. Wilfried Hartl

von der Bio Forschung Austria hat wesentlich an der Entwicklung des Lehrganges für den Ackerbau mitgewirkt.